Fotografisches Gedächtnis

Es gibt so ein paar Dinge, die muss man einfach nur bewusst tun, dann klappen sie (Achtsamkeit).

Ich bin ja eine wirkliche Null im Merken von Zahlen. Also habe ich heute ein Foto von der Nummer des Parkplatzes gemacht, auf dem ich mein Auto geparkt hatte (ich bin schon einmal in dem riesigen LBBW-Parkhaus herumgeirrt).

Ich habe das Foto danach nicht mehr gebraucht. Alleine das bewusste Wahrnehmen der Nummer beim Fotografieren hat ausgereicht, um sie mir zu merken…

dsc01278.jpg

Dummerweise habe ich mir nicht gemerkt, auf welchem Parkdeck ich stand…

One thought on “Fotografisches Gedächtnis”

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    Berlin
    8. November 2008

    Die Stunden vor Mitternacht.
    Der Raum ist dunkel und nur der Monitor flimmert.
    Neben mir ein Glas Tee, in der Hand die Mouse, vor mir das worldwideweb.
    Den Raum erfüllen die Fermente meiner Vanillezigaretten.

    Ich durchforste das Internet.
    Ich suche nach Informationen über das „Fotografische Gedächtnis“
    Wenn man ein Projekt vor Augen hat, macht man das nicht zum Vergnügen. Verantwortlich für die Inhalte eines Forums und eine langzeitige WorkGroup in Vorbereitung muss man sich manchmal mit Dingen beschäftigen, zu denen man in diesem Moment nicht unbedingt Lust hat. Aber das geht wohl jedem im Leben so.

    Die Server der Uni habe ich hinter mir.
    Die Suchmaschinen des offiziellen Webs geben nicht viel her.
    Angebote von Digitalkameras, deren technische Leistungen mit dem „Fotografischen Gedächtnis“ verglichen werden.
    Seminare, die allen Leuten, die Geld zu zahlen bereit sind, den „Nürnberger Trichter“ versprechen.
    Profilneurotische Spinner, die von sich behaupten, das „Fotografische Gedächtnis“ zu haben.
    Andere, die es gern loswerden würden.
    Kitas für Lernschwache.
    Hier oder da ein pseudowissenschaftliches Geschwafel.
    Einer, der es gar verkaufen möchte… …
    Dabei stoße ich auf diese Seite.

    Ich beginne nächstes Jahr eine WorkGroup im Roulette-Forum, bei dem unter anderem das fotografische Gedächtnis eine tragende Rolle spielt. Es geht um einen südfranzösischen Toppspieler, der unter Verwendung seiner Fähigkeiten dort in den Casinos Roulette spielte und damit ein Vermögen erwirtschaftete – die von ihm angewandten Spieltechniken sollen vorgestellt werden.

    Es wird vielleicht nicht leicht werden, einer Leserschaft von Spielern, die großteils nicht aus Gründen der Bereicherung wissenschaftlicher Kenntnisse, sondern in Anbetracht der Liebe zu ihrem Hobby als Fun-Spieler in jenem Forum sind, die Bedeutung einer solchen Fähigkeit nahezubringen. Geht man dabei in die Tiefe der Materie, werden nach einigen Absätzen einer solchen Dokumentation die meisten „zumachen“ (=die Aufnahme blockieren), weil ihre Erwartungshaltung eine andere sein könnte, sich auf eine Glücksspielplattform einzuloggen, als sich Themen mit medizinischem und psychologischem Hintergrund auszusetzen.

    Bei meinem Ausspähen nach geeigneten Verlinkungen zu sachbezogenem Material für die begleitende Beitragsserie bin ich also auf dieser Seite gelandet und finde in der Suchmaschine unter den wissenschaftlichen Abhandlungen und Seminarangeboten nun die oben stehende Anekdote.

    Ich habe selten so lachen müssen
    – insbesondere nach den hunderten trockenen Artikeln über den gegoogleten Gegenstand.
    Und dann habe ich mir überlegt, dass ich genau diese Anekdote zur Auflockerung meines WorkGroup-Artikels bringen werde, denn den Lesern einer trockenen Materie wird eine solche Verbindung zum Gegenstand des Beitrags ebenfalls ein Schmunzeln entlocken.
    Die in dem Beitrag enthaltene Situationskomik trifft den Nagel auf den Kopf.

    Der von mir geschilderte Mann mit seinem phänomenalen Vermögen, alles, was er sah, nicht mehr vergessen zu können, der über viele Jahre mein Lehrer war, ist mit seiner Fähigkeit nicht sehr glücklich geworden. Er konnte noch nach Jahren eine Serie von Autokennzeichen aus einer im Stau stehenden Schlange von Kraftfahrzeugen, die ihm zufällig in’s Blickfeld geraten war, der Reihenfolge nach wiedergeben.
    Wenn er eine Zeitung las, vergaß er den Inhalt schon nach Stunden.
    Aber jeder Druckfehler, Zeile für Zeile, Seite für Seite, fraß sich in seinem Gehirn fest. Er konnte sich nicht alles merken… …er unterstand dem Zwang! Sein Gehirn war überfrachtet mit dem Müll seines Umfelds, weswegen er sich schliesslich in Cannes zurückzog und Ende der 90iger-Jahre in einer Nervenklinik tragisch verstarb.
    Genialität und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

    Er gehörte zu dieser Gruppe Menschen, die mit einer außergewöhnlichen Begabung zu Millionären wurden – bei ihm war es die jahrzehntelange Anwendung des fotografischen Gedächtnisses auf die im Roulettekessel fallenden Zahlenreihen und die hieraus von ihm gezogenen resultierenden tendenziellen Rückschlüsse.
    Aber es ist kein bloß dahergesagter Witz, wenn er sich nicht merken konnte, wohin er seine Brille gelegt hatte, die er oft suchte, während er sie sich über die Stirn auf den Kopf geschoben hatte.

    Genau dies drückt für mich dieser Artikel aus.
    Treffender kann man es nicht festhalten.

    Gern würde ich den Verfasser mal kennenlernen.
    Es wäre schön, wenn er sich im Forum meldet.

    NACHTFALKEüberBERLIN.

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